Oder: Einige Gründe, warum im Paradies auch nicht immer alles perfekt sein kann.

Zwischenzeitlich bin ich in meinem dritten Monat auf Koh Phangan und antworte auf die Frage „Lebst du hier?“, die hier ganz üblich ist, weil das tatsächlich auf sehr viele zutrifft, mit „ja, aktuell schon“. Irgendwie fühlte es sich in den letzten Wochen auch so danach an. Ich hab täglich – egal wo ich unterwegs war – Menschen getroffen, dich ich mehr oder weniger kannte. Ich hatte hier meinen Insel-Alltag. Und ich hab mich hier sehr sehr wohl gefühlt. In den letzten Tagen hat sich das verändert. Ich vermisse meine eigene Küche, das Kochen generell und wirklich gerade ein gemütliches Zuhause. Ich vermisse einen Spaziergang im Wald und das Fahrradfahren. 

Vielleicht sind das die ersten Sehnsüchte für eine Rückkehr?!

Die Zeit hier ist so schnell vergangen und für mich zu einem Inner Traveln und einer persönlichen Weiterentwicklung geworden. Das ist es was die die Insel mit ihrem Angebot und ihrer Energie in einem immensen Tempo ermöglicht.

Die Kristall-Insel

So nennt sich Koh Phangan auch, weil sagt wird, dass sich die Insel auf einem riesigen Kristallquarz geformt hat und dadurch eine sehr starke Energie hat. „Wenn man ein Hoch hat dann hat man ein “Super-Hoch” ähnlich verhält es sich mit einem Tief, dann ist man nämlich wirklich am Boden.“ Ich kann das bestätigen, zumindest dahingehend dass die Emotionen, die hier hochkommen, sehr intensiv sind. Ob das mit dem Rosenquarz zu tun an, bleibt wohl ein Rätsel.

Auch sagt man über Koh Phangan, dass es auf einer Ley-Linie liegt, was vielleicht die starke Energie erklärt. „Menschen verändern sich hier schnell. Die Insel kann ein großartiger Test deiner Persönlichkeit, Stärke und deines Mutes sein. Aber vielleicht muss man auch daran Glauben, dass es funktioniert oder es passiert unterbewusst, wir wissen es nicht. Was wir wissen ist dass viele Menschen auf der Insel Quarz gefunden haben. Man kann auch die natürlich vorkommenden Shiva Augen finden, dies sind Teile des Hauses der Turban Schnecke.
Man sagt Shivas Augen nach, dass sie dein drittes Auge öffnen was hilft hinter das Offensichtliche zu blicken und die tieferen Aspekte des Lebens wahrzunehmen, zudem sehen sie wunderschön aus. Jedes Auge hat einen ähnlichen Strudel die Farben können jedoch variieren je nachdem was die Schnecke gegessen hat.“ Quellen-Link

Jedenfalls zieht die Insel neben den Fullmoon-Party-Peoplen jede Menge spirituelle Menschen an, die ein Bedürfnis danach haben, hinter die Fassade zu blicken und ihr Wissen (sei es Yoga, Embodiment, Tantra, Psychologie, Breathwork, Tanzen…) teilen möchten. Deshalb gibt es auch nichts, was es hier nicht gibt und jeden Tag jede Menge Möglichkeiten tief in all diese Themen einzutauchen.

Vielleicht ist auch einfach das der Grund, warum viele schlummernde Themen und Emotionen hier hochkommen. Und ein Grund, warum es nicht immer nur toll ist hier: Denn innere Arbeit ist anstrengend und oft unschön und ein emotionales Tief im Paradies ist genauso scheiße wie ein emotionales Tief im verregneten Deutschland. 🙂 Da hilft das Meer auch nichts.

Das Paradies auf den zweiten Blick

Es ist nicht immer toll…

  • …jeden Tag mind. 30 Grad zu haben. Auch abends kühlt es nicht wesentlich ab.
  • …eine so hohe Luftfeuchtigkeit zu haben, dass Schimmel in den Bungalows (in Matratzen und Kissen) völlig normal ist.
  • …- wie oben schon erwähnt – nicht einfach mal selbst das kochen zu können, wonach mir gerade ist.
  • …Tiere (Insekten, doch manchmal auch Katzen und Hunde) ungewollt in der eignen Unterkunft zu haben
  • …alleine zu sein.
  • …Menschen, zu denen ich eine Verbindung aufgebaut habe, wieder gehen zu lassen, weil deren Reise vorüber ist.
  • …immer wieder neue Verbindungen aufzubauen.
  • …keine Konstante zu haben.
  • …aus dem Rucksack zu leben.
  • …kein richtiges Wohlfühl-Zuhause zu haben und deshalb meistens draußen abzuhängen.
  • …dass hier alles so unverbindlich ist.
  • …jede Unterhaltung auf Englisch zu führen. 

Gleichzeitig ist es großartig, die Möglichkeit zu haben, jeden Tag neu entscheiden zu können. Ich bin dankbar dafür täglich auf mein Bauch- und Körpergefühl hören zu können und spontan zu entscheiden, auch im Kopf geschmiedete Pläne jederzeit über den Haufen werfen zu können und dadurch im Hier und Jetzt zu leben.

Es ist großartig, dass jeden Tag die Sonne scheint, ich keine festen Schuhe und auch keine Jacke brauche. Es ist großartig so schnell neue Menschen kennenlernen zu können. Es ist großartig jeden Tag einen Fresh Coconut Shake trinken zu können – ich liebe es! Und es ist großartig jeden Morgen mit Meerblick aufzuwachen.
…und sicherlich auch noch einiges mehr, was mir vielleicht auch erst wieder zurück in Deutschland bewusst werden wird.

Doch liegt es wirklich an der Insel, dass gerade mehr die unschönen Seiten in meinen Fokus geraten oder liegt vielmehr an meinen sich verändernden Bedürfnissen und meinen Sehnsüchten?

Heute morgen – nachdem die letzte Nacht mit Kakerlaken-Besuch und Gewitter (von dem Schimmel mal ganz abzusehen) echt mehr als bescheiden war – sind meine Sehnsüchte nach einem Zuhause noch präsenter. Ich tauschte nich mit Ann-Kathrin aus, einer deutschen Weltreisenden, die mit ihrem Partner schon seit einigen Monaten unterwegs ist, ob sie während der Reise auch immer wieder Zweifel und ein Sättigungsgefühl in sich verspürt?

„JA!“ war ihre Antwort. Und sie konnte dem Ganzen sogar einen Namen geben…

Reisemüdigkeit

Wie ich mich dann gleich belesen habe, kommt eine Reisemüdigkeit typischerweise nach circa 3 Monaten auf. Es ist der Punkt, an dem sich Reisende darauf freuen, endlich wieder selbst kochen zu können, im eigenen Bett zu schlafen, überhaupt ein Zuhause zu haben, in dem man nicht nur zum Schlafen ist. Ein Buch aus dem Schrank zu ziehen, das man gerade lesen möchte. Die eigenen Sachen sortiert in Schränken zu finden. Und natürlich die Zeit, in der man sich wieder auf die Menschen zuhause freut – schlicht: auf Alltag.

Ich finde mich da grad sehr stark wieder, auch wenn ich weiß, dass es auch eine Müdigkeit vor dem Alltag zuhause gibt und mir jetzt schon sicher bin, dass diese vermutlich direkt nach der Reisemüdigkeit kommen wird. 😉

Mal sehen, welche Entscheidungen ich in den nächsten Tagen für mich treffen werden.

Stay tuned…